Transportation & Mobility

Mobilität der Zukunft – Wie passen E-Mobility und Mobility-as-a-Service zusammen?

Der im Oktober vorgestellte Masterplan Ladeinfrastruktur II der Bundesregierung beschreibt, wie die Antriebswende hin zur E-Mobilität gelingen soll. Aus Sicht von Daniela Kluckert ist das deutsche E-Ladenetz jedoch schon heute besser als sein Ruf.

Seit genau einem Jahr gestaltet die FDP-Politikerin als Staatssekretärin im BMDV (zur Vita) die Zukunft von Verkehr und Mobilität in Deutschland maßgeblich mit. Als Beauftragte der Bundesregierung für Ladesäuleninfrastruktur kommt ihr eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der E-Mobilität zu. 

Wie die Mobilität der Zukunft aussehen wird, welche Rolle das Nutzer*innenerlebnis dabei spielt und an welcher Stelle der Staat eingreifen sollte: Diese und weitere Themen besprechen wir mit Daniela Kluckert in unserem Blog-Interview.


Frau Kluckert, wo stehen wir beim Ausbau des E-Ladenetzes in Deutschland?

Mit dem Masterplan Ladeinfrastruktur II haben wir im Oktober einen strategischen Meilenstein erreicht. Der Masterplan enthält 68 Maßnahmen, die den Fahrplan des Ladeinfrastrukturausbaus für die nächsten Jahre darstellen. Nun geht es an die Umsetzung!

Uns ist dabei bewusst, dass wir nur Erfolg haben werden, wenn wir inner- und außerhalb der Bundesregierung an einem Strang ziehen. Bei der Erstellung des Masterplans haben wir uns intensiv mit über 80 externen Stakeholdern beraten, um die im Markt bestehenden Probleme, die einem schnelleren Ausbau im Wege stehen, zu identifizieren und zu berücksichtigen. Die Perspektiven von Ländern und Kommunen, der Netzbetreiber, der Energiewirtschaft, von Ladeinfrastrukturbetreibern und E-Mobility Providern, der Ladetechnikhersteller, der Verbraucher sowie der Lkw- und Pkw-Hersteller sind in die Strategie der Bundesregierung eingeflossen.

Innerhalb der Bundesregierung haben wir uns für einen ressortübergreifenden Ansatz entschieden. An der Schnittstelle zwischen Verkehr- und Energiesektor lassen sich die Herausforderungen des Ladeinfrastrukturausbaus z.B. beim Netzausbau nur gemeinsam bewältigen. Deshalb haben wir mit der „Interministeriellen Steuerungsgruppe Ladeinfrastruktur“ ein gemeinsames Forum für die kontinuierliche Zusammenarbeit geschaffen.

Wie bewerten Sie das „Henne-Ei-Problem“ im Zusammenspiel zwischen der Ladesäuleninfrastruktur und der Verbreitung der E-Mobilität?

Deutschland steht bei der Ladeinfrastruktur längst nicht mehr am Anfang. Mit mehr als 70.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkten liegen wir im europäischen Vergleich auf Platz zwei. Gegenwärtig sind in Deutschland mehr als 1,5 Millionen Elektro-Pkws zugelassen – Tendenz stark steigend.

Allerdings findet diese Entwicklung nicht überall im gleichen Maße statt. Nur wenn wir die Ladeinfrastruktur in Deutschland vorauslaufend weiter ausbauen, können wir alle Verbraucherinnen und Verbraucher von der Elektromobilität überzeugen und sie auf dem Schritt in Richtung Mobilität der Zukunft und Klimaneutralität mitnehmen.

Ohne verfügbare, zuverlässige und ausreichende Ladepunkte entscheiden sich die Menschen nicht für ein Elektroauto und ohne eine ausreichende Zahl von Elektroautos ist die Auslastung der Ladeinfrastruktur gering und damit auch ihre wirtschaftliche Attraktivität. Dort, wo es dieses „Henne-Ei“-Problem zwischen E-Autos und Ladeinfrastruktur noch gibt, braucht das ökonomische Spiel von Angebot und Nachfrage eine Starthilfe. Deshalb gibt es die gezielte Förderung und Unterstützung der Bundesregierung, sodass der Ausbau der Ladeinfrastruktur auch vorauslaufend erfolgen kann.

Welche Schritte unternimmt die Bundesregierung, um Ladezeiten und verschiedene Abrechnungsmethoden im Alltag der E-Auto-Fahrer*innen zu verbessern?

Ein hohes Maß an Nutzerfreundlichkeit ist zwingend erforderlich, um die Bürgerinnen und Bürger von der Attraktivität der Elektromobilität zu überzeugen. Die jeweiligen Ladezeiten müssen dabei immer im richtigen Verhältnis zur konkreten Situation stehen, in der geladen wird. Wer sein Fahrzeug zu Hause oder beim Arbeitgeber laden möchte, der braucht dort keine Schnellladeinfrastruktur. Gerade hier wollen wir die Möglichkeiten des intelligenten und bidirektionalen Ladens nutzen und das Laden so netzdienlich wie möglich gestalten.

Anders sieht es bei der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur aus, besonders auf der Mittel- und Fernstrecke. Hier setzen wir als Bundesregierung auf besonders leistungsfähige Schnellladeinfrastruktur. Rund einer von fünf neu errichteten öffentlich zugänglichen Ladepunkten entspricht der höchsten Leistungskategorie mit mehr als 150 kW Ladeleistung.

Beim Ladevorgang selbst setzen wir auf Einfachheit und Einheitlichkeit. Dazu nutzen wir die Möglichkeiten der Digitalisierung. So sollen Nutzerinnen und Nutzer künftig auf relevante Daten wie z.B. den Belegstatus oder den Ladepreis Zugriff haben. Das Ziel lautet: Den Ladevorgang so nutzerfreundlich und einfach wie möglich zu gestalten. 

Wie sieht Ihr Zukunftsszenario Mobilität verkehrsträgerübergreifend aus?

Für das Erreichen der Klimaziele im Verkehrssektor brauchen wir alle Verkehrsträger. Dabei müssen wir die wachsenden Mobilitäts- und Transportbedürfnisse in Einklang mit Klimaschutz, Verkehrssicherheit sowie Raum- und Sozialverträglichkeit bringen. Außerdem müssen wir unbedingt digitaler werden und uns trauen analoge Systeme abzuschalten.

Nahtlos aufeinander abgestimmte Mobilitätsketten (Seamless Mobility) und neue flexible Mobilitätsdienste bieten außerdem die Chance auf mehr regionale Wertschöpfung, Teilhabe und Effizienz.

Nahtlose Routing- und Ticketsysteme, verkehrsträgerübergreifende Buchung unterschiedlicher Mobilitätsangebote von Ride-Sharing bis hin zu On-Demand Angeboten, vielleicht sogar in autonom fahrenden Fahrzeugen – Darin sehe ich die Zukunft.

Welche Bedeutung wird der elektrifizierte Individualverkehr im Kontext von Mobility-as-a-Service zukünftig haben?

Die Möglichkeit, ein Elektroauto „on demand“ bei einem Car-Sharing Anbieter nutzen zu können ist schon heute attraktiv und wird sicher zukünftig noch weiter an Popularität gewinnen. 

Ein schöner Nebeneffekt dabei ist, dass viele Nutzerinnen und Nutzer erstmalig und niedrigschwellig mit Elektromobilität in Kontakt kommen. Vermeintliche Vorurteile und Hemmschwellen gegenüber Elektroautos können so abgebaut werden.

Wie bewegen Sie sich persönlich am liebsten von A nach B?

Das kommt ganz darauf an, wohin ich fahren muss. Meine Familie lebt in ganz Deutschland verstreut und um sie zu besuchen, fahre ich sehr gerne mit der Bahn. Während ich bei meinen beruflichen Terminen viel mit dem Auto unterwegs bin, nutze ich im Privaten gerne einfach den ÖPNV in Berlin.

Ich finde es großartig, wenn wir die Möglichkeit und Freiheit haben, selbst zu entscheiden, wie wir uns am liebsten fortbewegen möchten und welches Mobilitätsangebot gerade am besten zu mir passt. Wie Sie richtig sagen, die „Mobilität der Zukunft setzt am individuellen Verhalten“ der Menschen an. Deswegen sollten wir genau auf diese Vielfalt der Mobilitätsbedürfnisse eingehen und die Angebote dahingehend gestalten. 

Frau Kluckert, ich danke Ihnen herzlich für unser Gespräch.


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Bild: Bundesregierung/Sandra Steins