Transportation & Mobility

Stefan Lossau: Faszination Unternehmensberatung für Bahn und Schiene

Die Schieneninfrastruktur ist das Rückgrat der klimafreundlichen Verkehrswende. Sie ist zugleich sicherheitskritisch. Der kürzliche Sabotageangriff auf das Funknetz der Deutschen Bahn hat das verdeutlicht. Sie bedarf daher der fortlaufenden Weiterentwicklung.

In Deutschland umfasst das gesamte Schienennetz knapp 40.000 km. Ein Netz, an dem stetig geplant und gebaut wird, das betrieben und laufend modernisiert werden muss.

Quattron Management Consulting bietet für die Betreiber des Schienennetzes seit 2002 eine integrierte strategische und technische Beratung entlang der Einführung und Erneuerung von Infrastrukturen. Dazu zählen u. a. Digitale Stellwerke, modernste Leit- und Sicherungstechnik oder der Bahnfunk.

Stefan Lossau, einer der Gründer und heute Managing Partner von Quattron, gibt im Interview einen Einblick in Arbeitsweise, Projekte und das tägliche Miteinander des Beratungshauses. Dabei verrät er, was ihn persönlich am Consulting noch immer fasziniert.


Herr Lossau, was begeistert Sie seit über 25 Jahren an der Beratung im strategischen Infrastrukturmanagement und der Digitalisierung?

Zunächst ist es die Herausforderung, die Komplexität eines über mehr als hundert Jahre gewachsenen Systems wie das der Bahn mit all den verschiedenen Aspekten zu verstehen. Und das im Bereich der Technik sowie dem Management unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten und unter Berücksichtigung einer Vielzahl von rechtlichen Rahmenbedingungen – teilweise auch auf europäischer Ebene -, um dann daraus Optimierungsansätze ableiten zu können.

Dann kommt da das gute Gefühl hinzu, einen Beitrag zur Verkehrswende auf Basis einer Effizienz- und Attraktivitätssteigerung des umweltfreundlichen Schienenverkehrs zu leisten.

Planung, Bau und Betrieb von Infrastruktur ist ein sehr kapitalintensives Geschäft über einen Lifecycle-Zeitraum von Jahrzehnten. Innovationen auf Basis von marktgängigen (Industrie-)Standards haben zwar ein hohes Effizienzsteigerungspotential, weisen jedoch besondere Anforderungen in Hinblick auf Finanzierung durch die öffentliche Hand, Vergabeverfahren, Zulassung und betriebliche Verfahren auf. All diese Hürden am Ende erfolgreich überwunden zu haben, gibt einem immer wieder „diesen Kick“.

Was war Ihr Antrieb, im Jahr 2002 eine eigene Unternehmensberatung zu gründen?

Um ehrlich zu sein, war es das Chapter 11-Ereignis unseres damaligen Arbeitgebers, einer großen amerikanischen Unternehmensberatung. Das veranlasste uns, über alternative berufliche Szenarien nachzudenken. Wir hatten damals bereits festgestellt, dass alle großen Unternehmensberatungen die Problem- und Aufgabenstellungen von Infrastrukturgesellschaften nicht richtig erkannten. Es fehlte daher an geeigneten Beratungsleistungen. Währenddessen sahen wir einen riesigen Unterstützungs- und Beratungsbedarf bei der Einführung neuer Technologien.

Insbesondere waren viel zu wenig Top Management Berater bereit, sich auf Projekte mit einer Laufzeit von mehr als drei Monaten bzw. bis zu zehn Jahren einzulassen. Hier ist es uns gelungen, unseren Berater die Attraktivität von Projekten zu vermitteln, die zwar eine längere Laufzeit haben, sich die Aufgabenstellungen jedoch über die Zeit grundlegend verändern und es auch ohne Projektwechsel lange spannend bleibt.

Nichtsdestotrotz streben auch wir nach spätestens ein bis zwei Jahren zur Erweiterung des Horizontes einen Projektwechsel für unsere Berater an, von dem alle profitieren.

Schließlich hatte ich auch bereits in meinem Studium das Ziel, mich nach einigen Jahren Berufserfahrung selbstständig zu machen. Nach gut sieben Jahren Beratungstätigkeit in drei verschiedenen Unternehmensberatungen war im Team mit vier Gründern und einem spannenden Business Case ein guter Zeitpunkt gekommen.

Welche Rolle nimmt dabei Quattron Management Consulting innerhalb der Quattron Group ein?

Quattron Management Consulting deckt innerhalb der Gruppe in erster Linie die typischen, oftmals strategischen Aufgabenstellungen des Technologie- und Anlagenmanagements ab.

Es geht immer wiederholt um Fragestellungen wie:

  • Inwieweit ist der Einsatz einer neuen Technologie betrieblich möglich und welche wirtschaftlichen Effekte ergeben sich daraus?
  • Welche betrieblichen Auswirkungen haben alternative Investitionsmaßnahmen in Hinblick auf Kapazität und Qualität?
  • Welche Finanzierungsmöglichkeiten bestehen unter welchen Voraussetzungen auf nationaler und auf europäischer Ebene?
  • Wie lässt sich die Migrationsplanung von der Bestandstechnik auf das betrieblich-technische Zielbild unter Berücksichtigung der LifeCycle-Costs optimieren?
  • Welche Projektorganisation ist für die Entwicklung und Implementierung von Innovationen erforderlich?
  • Welche Vergabestrategie soll verfolgt werden?
  • Wie können Prozesse – bspw. für die Zulassung – optimiert werden?

Derartige Fragestellungen stellen sich grundsätzlich über alle Technologien bzw. Innovationen eines Infrastrukturbetreibers, wie Digitale Stellwerke (DSTW), European Train Control System (ETCS), integrierte Bediensysteme (iBs), Future Railway Mobile Communication System (FRMCS), TETRA-Funk für BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) usw.

Mit welchen Fragestellungen befassen Sie sich aktuell beim 5G-basierten Funksystem FRMCS der Bahn?

Zunächst haben wir in einem Vorprojekt die technische Konzeption für FRMCS bei der Deutschen Bahn begleitet. Nun geht es um die Schaffung der organisatorischen Voraussetzungen für die Entwicklung und Zulassung des neuen Systems sowie dessen anschließenden flächendeckenden Roll-out mit Ablösung des Vorgängersystems GSM-R.

Hierzu ist die Projektgenehmigung durch den Bahn-Vorstand herbeizuführen, für die zunächst die erforderlichen Finanzmittel und das benötigte Personal geplant werden müssen. Dies wiederum bringt zahlreiche weitere Aufgabenstellungen wie bspw. die Klärung der Finanzierung, die Gremienbeteiligung und die Vorbereitung in den kaufmännischen Systemen mit sich.

Das gesamte Programm muss schließlich von der Entwicklung und Zulassung über den Roll-out bis zur Inbetriebnahme in einem Projektplan abgebildet werden. Für dessen Umsetzung muss eine Projektorganisation konzipiert und aufgebaut werden.  

Wie hat sich die Arbeit bei Quattron im Zuge der Corona-Pandemie verändert?

Auch an Quattron ist die Pandemie nicht spurlos vorbei gegangen. Während der Shutdowns mussten wir feststellen, welche elementare Bedeutung der soziale Austausch insbesondere für jüngere Berater im Projekt- bzw. im Beraterteam für das Teambuilding hat.

Der war in dieser Zeit verloren gegangen.

Während die Meetings in Präsenzform bei unseren Kunden oftmals noch zögerlich wieder stattfinden, veranstalten wir zunehmend interne Projektmeetings im Quattron-Office, welches wir im großen Stil vergrößert und zu einem Modern Workplace modernisiert haben, sowie auch an schönen Orten vor den Toren Frankfurts.

Auch wenn wir die erkannten Vorteile von Home-Office weiterhin nutzen wollen, schaffen wir damit die Voraussetzungen und Anreize für den persönlichen Austausch. Dieser ist für Teambuilding und Wissensaufbau bzw. -austausch zwingend erforderlich.

Letztendlich wollen wir niemandem vorschreiben, wieviel Tage er im Office sein muss, sondern setzen vielmehr auf eigenverantwortliches Handeln. Dabei sollen die Mitarbeiter die Erwartungshaltung des Kunden sowie ihres Beraterteams und ihre individuelle Motivation zum persönlichen (Wissens-/Informations-)Austausch in Einklang bringen.

Wie sieht der typische Arbeitstag bei Ihren Berater:innen aus?

Der Arbeitsalltag bei Quattron ist äußerst vielfältig und natürlich in erster Linie davon abhängig, in welchen Projekten man eingesetzt ist. Grundsätzlich streben wir an, die Berater parallel auf zwei Kundenprojekten einzusetzen und den Einsatz auf Langläufer-Projekten auf maximal zwei Jahre zu begrenzen.

Daneben werden alle Berater auf einem internen Projekt zum Wissensaufbau eingesetzt. Hierdurch ermöglichen wir nicht nur schnellstmöglich die Sammlung von Know-how und Erfahrungen, sondern auch den Aufbau eines Netzwerks sowohl innerhalb der Firma als auch außerhalb bei den Geschäftspartnern in unserer Branche. Hierdurch fördern wir eigenverantwortliches Handeln, da die verschiedenen Verpflichtungen „unter einen Hut“ gebracht werden müssen, indem die Aufgaben sowie deren Ergebnisse in den einzelnen externen wie internen Projekten permanent mit den Projektleitern abzustimmen sind.

Natürlich steht in schwierigen Situationen auch die Geschäftsleitung von Quattron stets für Lösungen zur Verfügung. Auf der anderen Seite ermöglicht dieses eigenverantwortliche Handeln die Berücksichtigung von persönlichen Anliegen – so lassen sich neben der Wahrnehmung von Terminen und Verpflichtungen oftmals private Angelegenheiten regeln.

Und was bringen Sie idealerweise an Vorwissen und Erfahrung mit?

Idealerweise bringen junge Einsteiger unmittelbar nach dem Studienabschluss langjährige Bahn-Erfahrung in verschiedenen Ländern mit, haben mehrjährige Praxis im Consulting gesammelt und kennen die einschlägigen Technologien zur Digitalisierung der Bahn. Spaß beiseite – uns kommt es in erster Linie auf die Begeisterung für den Verkehrsträger Schiene sowie die Potentiale in Zusammenhang mit dessen Digitalisierung an.

Daneben legen wir viel Wert auf typische Berater-Skills wie Kommunikationsstärke und Problemlösungskompetenz. Wobei wir eine gewisse Affinität für Technologien voraussetzen, wenn das absolvierte Studium keinen ingenieurwissenschaftlichen Bezug hatte. So sind bei uns neben Verkehrs-, Bau- und Wirtschaftsingenieure auch Informatiker, Betriebswirte, Volkswirte, Juristen, Architekten, Physiker usw. tätig.

Schließlich sind wir immer noch eine mittelständisch geprägte Unternehmensberatung, in der die Berater generalistisch eingesetzt werden können.

Welche drei Gründe sprechen für eine Bewerbung bei Quattron?

  1. Quattron Management Consulting ist als Hidden Champion das führende Beratungsunternehmen bei der Digitalisierung des umweltfreundlichsten bzw. nachhaltigen Verkehrsträgers Bahn und Schiene
  2. Quattron Management Consulting wächst seit drei Jahren rein organisch mit durchschnittlich 30 bis 40 Prozent pro Jahr und bietet permanent Möglichkeiten zur Übernahme von Verantwortung
  3. dennoch ist Quattron Management Consulting immer noch eine mittelständisch geprägte Unternehmensberatung mit flachen Hierarchien, familiärer Unternehmenskultur und viel Freiraum für Individualität

Herr Lossau, ich danke Ihnen herzlich für unser Gespräch.


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Über Cyforwards:
Die Cyforwards GmbH bietet eine integrierte Beratung in den Themenschwerpunkten Executive Search und People & Organizational Development. Sie besetzt Führungs- und Fachpositionen überwiegend in der IT-Managementberatung. Der Fokus liegt auf den Branchen Public Sector & Government, Transportation & Mobility sowie Healthcare. Als Transformationsberater und -begleiter unterstützt Cyforwards Individuen und Organisationen, ihre Ziele zu erreichen und Potenziale zu entfalten. Benjamin Wittekind gründete das Unternehmen 2018 in München.  

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Bild: eigenes