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Digitale Verwaltung: Deutschland international weiter abgeschlagen

Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Deutschland stark beschleunigt. Mehr Dienstleistungen als früher können über das Internet wahrgenommen werden.

Trotzdem ist Deutschland im europäischen Vergleich nicht gut aufgestellt und fällt auch global gesehen leicht zurück. Ein Grund dafür ist der weiterhin bestehende große IT-Fachkräftemangel. Das sind die Kernaussagen zweier aktueller internationaler Vergleiche des Digitalisierungsgrads in der öffentlichen Verwaltung, die jetzt publiziert wurden.


Nur Platz 25 im E-Government Development Index

So belegt Deutschland im unlängst publizierten internationalen E-Government Development Index (EGDI) im Beobachtungsjahr 2020 nur noch Platz 25. Der Index ermittelt alle zwei Jahre im Auftrag der UNO den behördlichen Digitalisierungsgrad von 193 Ländern. 2018 konnte Deutschland immerhin noch Platz 12 erreichen.

Eine repräsentative Studie von McKinsey hat im April 2021 das digitale Nutzungsverhalten der europäischen Verbraucher in 19 Ländern analysiert. Hier landet Deutschland nur auf dem vorletzten Platz knapp vor der Schweiz. In der Bundesrepublik geht also eine noch unzureichende Digitalisierung der Verwaltungsangebote mit einem sehr zögerlichen Nutzungsverhalten der Bürger einher – keine gute Ausgangslage für die zukünftige Digitalisierung.  

Digitale Verwaltungsangebote nicht umfangreich genug 

Ein wichtiger Grund für die verhältnismäßig geringe Zufriedenheit der deutschen Bürger mit digitalen Verwaltungsangeboten ist die Unvollständigkeit der angebotenen Dienste. Wenn in den digitalisierten Vorgängen wiederholt Medienbrüche vorkommen, es immer noch keine einfach zu nutzende rechtssichere Online-Identifikation gibt und am Ende eines Vorgangs doch wieder PDF-Dateien ausgedruckt und per Post verschickt werden müssen, dann sparen sich viele Verbraucher den digitalen Teil einfach und kommunizieren weiter per analoger Briefpost.

Ein aktuelles Beispiel für eine zu große Komplexität von unzureichend digitalisierten Verwaltungsvorgängen sind die Corona-Soforthilfen des Bundes.

Der Beantragungsprozess wurde bereits von mehreren Branchenverbänden als „realitätsfern“ bewertet. Die Antragsformulare seien außerdem zum Teil so kompliziert, dass sie nicht ohne die Hilfe von Steuerberatern ausgefüllt werden könnten. So kommt es dazu, dass die deutschen Bürger und Unternehmen weiter sehr skeptisch gegenüber den Digitalangeboten der Verwaltung sind. Über 20 Prozent bezeichnen sich selbst als unzufrieden mit den öffentlichen Dienstleistungen, über ein weiteres Fünftel ist weder zufrieden noch unzufrieden. Verglichen etwa mit privaten Unterhaltungsangeboten, die sich an Verbraucher richten, sind dagegen über 99 Prozent zufrieden mit den Services. 

Digitalisierung: Vorbild Nordeuropa 

Beim Blick über die Landesgrenzen fällt auf, dass vor allem die skandinavischen und baltischen Länder regelmäßig Top-Plätze im Digitalisierungsvergleich belegen. So sind deutsche Verwaltungszustände beispielsweise für Bürger und Unternehmen in Dänemark kaum mehr nachvollziehbar. Das kleine Land verfolgt mit umfassender politischer Unterstützung seit vielen Jahren das Ziel, seine Verwaltung so weit wie möglich zu digitalisieren. Das hat zur Folge, dass die Dänen mittlerweile den digitalen Weg nutzen müssen.

Nur noch auf begründeten Antrag ist es ausnahmsweise möglich, dass Bürger mit der Verwaltung auf Papier kommunizieren. So spart das Königreich mit etwas weniger Einwohnern als Hessen über 290 Millionen Euro jährliche Verwaltungskosten und kann gleichzeitig eine um rund ein Drittel schnellere Bearbeitungszeit vorweisen. Ein wesentlicher Schlüssel dafür ist der landesweit gültige Identifikationsdienst NemID, der bereits 2010 eingeführt wurde. Die vergleichbare deutsche digitale Bürgernummer ist 2021 noch nicht einmal gestartet. 

Digitale Interaktion mit Behörden in Europa 2020, Quelle: Eurostat

Digitalisierung per Gesetz: Fachkräfte fehlen 

Das Thema des mangelnden behördlichen Digitalisierungsgrads ist auch in Deutschland nicht neu. So hat der Gesetzgeber bereits 2017 mit dem Onlinezugangsgesetz (OZG) darauf reagiert. Das OZG gibt vor, dass bis Ende 2022 rund 600 Verwaltungsvorgänge in Bund, Ländern und Gemeinden von Bürgern und Unternehmen vollständig digital wahrgenommen werden können. Mitte 2021 ist davon jedoch nur rund ein Drittel umgesetzt, so dass eine vollständige Zielerreichung bis Ende kommenden Jahres unrealistisch erscheint. Ein wesentliches Problem in der schnelleren Umsetzung des OZGs ist der große IT-Fach- und Führungskräftemangel in der öffentlichen Verwaltung und den dazugehörigen Dienstleistern (mehr dazu).

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Bilder: Pixabay, statista.com


Experteninterviews zum Thema:


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