Transportation & Mobility

Deutschlandtakt: Doppelt so viele Fahrgäste auf der Schiene bis 2030?

Der Deutschlandtakt ist DAS Konzept des Bundesverkehrsministeriums für den hiesigen, schienengebundenen Personen- und Güterverkehr. Er verfolgt mehrere Ziele zugleich: die Attraktivität des Bahnverkehrs zu steigern, den Straßenverkehr zu entlasten und durch die einhergehenden Emissionsreduzierungen die deutschen Klimaziele zu fördern.

Kernidee des Deutschlandtakts ist es, dass die Pläne zum physischen Ausbau der Bahnstrecken an den Ansprüchen des Fahrplans orientiert werden sollen. Mit mehr Verbindungen, zahlreichen und optimierten Anschlüssen und so in der Folge insgesamt stark verkürzten Gesamtreisezeiten sollen Auto- und Busfahrer sowie Fluggäste vom Umstieg auf die Bahn überzeugt werden.

Deutschlandtakt-Start 2008

Nachdem die ersten Vorarbeiten zum Deutschlandtakt bereits 2008 begonnen hatten, fand die erste tatsächliche Umsetzung dann zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 auf der Verbindung Hamburg–Berlin statt. Dort wurde ein neuer Halbstundentakt eingeführt, der immer gleiche Abfahrtszeiten garantieren soll.

Im August 2021 lag schließlich der Entwurf des finalen Abschlussberichts zum Zielfahrplan Deutschlandtakt im Bundesverkehrsministerium vor. Wie schnell es nun mit der Umsetzung des Deutschlandtakts im neuen Jahr weitergeht, wird die neue Ampel-Koalition entscheiden müssen.

Neue Fahrgäste ohne neue Schienen

Mit dem Deutschlandtakt gibt die Politik der Bahn hochgesteckte Ziele vor. So sollen die Fahrgastzahlen im Personenverkehr bis 2030 und damit in weniger als 10 Jahren verdoppelt werden.

Allein im Fernverkehr bedeutet dies eine Steigerung von 151 Millionen Fahrgästen in 2019 auf rund 300 Millionen bis 2030. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen bereits Mitte der 2020er Jahre in den größten deutschen Städten alle 30 Minuten Fernverkehrszüge immer um dieselbe Uhrzeit abfahren.

Damit die Fernverkehrszüge auch sinnvoll ausgelastet werden können, wird ihr Fahrplan mit dem Regional- und Nahverkehr an den Haltepunkten optimal verknüpft . Auch der Marktanteil der Schiene am Güterverkehr soll auf mindestens 25 Prozent steigen.

Bemerkenswert daran ist, dass 2020 kein einziger neuer Kilometer Schiene gebaut wurde und auch für 2021 und 2022 keine neuen, größeren Planungen vorliegen. Wenn jedoch neu gebaut wird – und das ist ein großer Unterschied zu den Bahnsystemen anderer Länder – sollen die Bedürfnisse des Güterverkehrs im Verhältnis zum Personenverkehr „gleichberechtigt mit eingeplant“ werden.

Viele weltweite erfolgreichen Hochgeschwindigkeitszüge machen genau das jedoch nicht, wie beispielsweise der französische TGV, der japanische Shinkansen oder die Züge im mittlerweile weltgrößten Hochgeschwindigkeitsnetz in China.

Wie sich diese Entscheidung auf die Leistungsfähigkeit der deutschen Schnellfahrzüge und damit auch auf die Erreichung der Ziele des Deutschlandtakts auswirkt, wird die Zukunft zeigen müssen.

Neue Kapazitäten mit Digitalisierung

Damit die Kapazitätssteigerungen ohne viele neu verbaute Schienentrassen erreicht werden können, sind zusätzlich zu den Baumaßnahmen weitere Digitalisierungs-Schritte erforderlich. Wichtige Bausteine sind hier etwa die Digitale Stellwerkstechnik DSTW und das transeuropäische Eisenbahnverkehrsleitsystem ETCS (European Train Control System).

Beide Technologien werden in Deutschland noch nicht flächendeckend eingesetzt, tatsächlich ist das Netz aktuell erst zu rund 1% digitalisiert (Cyforwards berichtete). Aufgrund der hohen Komplexität des deutschen Bahnnetzes erwarten Fachleute eine Umsetzung der vollständigen Digitalisierung erst um das Jahr 2040.

Um ihre Digitalisierungsziele erreichen zu können, benötigt die Bahn und benötigen ihre privaten Beratungsunternehmen hochspezialisierte Fach- und Führungskräfte. Diese müssen sowohl im IT- und Digitalisierungs- als auch im Verkehrsbereich über umfangreiche operative Kompetenzen verfügen. Dazu treten auch bestimmte Softskills, um die Digitalisierung nicht nur technisch, sondern auch bei den davon betroffenen Menschen voranzutreiben.

Worauf es ankommt und welche konkreten Kompetenzen Bewerberinnen und Bewerber mitbringen müssen, zeigen unsere Interviews mit Expertinnen und Experten der Digitalisierung.


Über Cyforwards:
Die Cyforwards GmbH bietet eine integrierte Beratung in den Themenschwerpunkten Executive Search und People & Organizational Development. Sie besetzt Führungs- und Fachpositionen überwiegend in der IT-Managementberatung. Der Fokus liegt auf den Branchen Public Sector & Government, Transportation & Mobility sowie Healthcare. Als Transformationsberater und -begleiter unterstützt Cyforwards Individuen und Organisationen, ihre Ziele zu erreichen und Potenziale zu entfalten. Benjamin Wittekind gründete das Unternehmen 2018 in München.  

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Bild: deutschlandtakt.de