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Nur 1 % digitalisiert: Deutsche Bahn verschenkt Effizienzgewinne

Österreich, du hast es besser: Für rund tausend Euro können unsere Nachbarn bald ein Jahr lang unbegrenzt in der Alpenrepublik mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, dank des neuen und medial viel beachteten „Klimatickets“.

Viele Stimmen fordern ein ähnliches Angebot auch von der Deutschen Bahn AG – dies steht jedoch nicht in Aussicht.

Statt der Einführung eines günstigen Netz-Tickets verkündet die Deutsche Bahn im Herbst 2021 andere Neuigkeiten: Die höchsten Fahrpreiserhöhungen seit 2012 treffen auf ein finanziell angeschlagenes Unternehmen und werden von Streckenschließungen begleitet.

So fuhr allein im ersten Halbjahr 2021 der bereits hoch verschuldete Konzern nach Medienberichten einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro ein. Trotzdem hält der Staatskonzern weiter sein Ziel hoch, die Fahrgastzahl im Fernverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2015 zu verdoppeln.

Um mehr Personen in die Züge zu bekommen, ist eine verstärkte und beschleunigte, umfangreiche Digitalisierung des bestehenden Schienennetzes notwendig.

Ein Drittel mehr Verkehr auf gleicher Schiene

Bis zu 35 Prozent mehr Transportkapazität ohne einen Meter neues Gleis – das ist das selbsterklärte Digitalisierungsziel der DB (digitale-schiene-deutschland.de). Es soll mithilfe des bereits im Ausbau befindlichen europäischen Signalsystems ETCS und weiteren Technologien erreicht werden.

Dazu zählen die Nutzung von künstlicher Intelligenz im Verkehrsmanagement, automatisierte Lokomotiven und Triebzüge und eine digitale Leit- und Sicherungstechnik (LST).

In einem weiteren Schritt sollen neue Ortungssensorik-Systeme für digitale Echtzeit-Karten, eine zuverlässige 5G-Datenkommunikation im bewegten Verkehr sowie erweiterte IT- und Cloud-Sicherheitstechnologien hinzukommen.

Deutsche Bahn mit großen Ambitionen und straffem Zeitplan

Die Bundesregierung hat sich für die „digitale Bahn“ viel vorgenommen. Bis 2030 sollen bereits mehrere tausend Kilometer auf den Hauptstrecken aufgerüstet werden. Spätestens 2040 wäre dann das ganze 33.000 Kilometer lange Schienennetz vollständig digitalisiert.

Dafür sind insgesamt 32 Milliarden Euro vorgesehen. Bereits 2030 sollen so die Fahrgastzahlen verdoppelt und ebenfalls signifikant mehr Güter auf die Schiene gebracht werden. Nur mit den daraus resultierenden gesunkenen Emissionen im Individual- und Straßengüterverkehr kann Deutschland seine Klimaziele 2030 erreichen.

Stand 2021 sind jedoch gerade einmal ein Prozent des Netzes tatsächlich digital aufgerüstet.

Zu wenig Digitalisierungs- und Verkehrsexperten

Die Deutsche Bahn benötigt zur Erreichung ihrer Digitalisierungsziele doppelte personelle Unterstützung. Sie braucht zunächst hochspezialisierte Fach- und Führungskräfte für den operativen Betrieb, die sowohl im IT- und Digitalisierungs- als auch im Verkehrsbereich über umfangreiche Kompetenzen verfügen.

Zusätzlich benötigt der Konzern politische, technische und strategische Berater auf höchster Ebene, die neues Wissen und Synergien aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft einbringen können. Um ihre ambitionierten Klima- und Verkehrsziele zu erreichen, darf die Deutsche Bahn entsprechende ergänzende Anstrengungen in der Personalgewinnung nicht vermeiden. Ergänzend bedarf es einer engeren Verzahnung von Wissenschaft und privaten Beratungshäusern, um Trends in der Digitalisierung frühzeitig zu erkennen und zu adaptieren.


Über Cyforwards:
Die Cyforwards GmbH bietet eine integrierte Beratung in den Themenschwerpunkten Executive Search und People & Organizational Development. Sie besetzt Führungs- und Fachpositionen überwiegend in der IT-Managementberatung. Der Fokus liegt auf den Branchen Public Sector & Government, Transportation & Mobility sowie Healthcare. Als Transformationsberater und -begleiter unterstützt Cyforwards Individuen und Organisationen, ihre Ziele zu erreichen und Potenziale zu entfalten. Benjamin Wittekind gründete das Unternehmen 2018 in München.  

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Bild: Pixabay