Transportation & Mobility

Deutsche Bahn: Unternehmerischer Aufbruch mit Minister Wissing?

Die Deutsche Bahn ist eines der wichtigsten und zugleich sichtbarsten Unternehmen in Deutschland, liefert jedoch seit Jahren mehr schlechte als gute Nachrichten. Nach aktuellen Meldungen des Manager Magazins versucht der neue Verkehrsminister Volker Wissing (51, FDP) jetzt mit mehreren radikalen Maßnahmen, den Konzern in eine neue Richtung zu lenken.

Der Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung enthält dazu bereits viele Ideen und Ansätze. Eine der wichtigsten ist, dass zwei große Bahn-Töchter, DB Netz AG und DB Station und Service AG, die sich zurzeit noch getrennt um die Infrastruktur kümmern, zu einer GmbH zusammengelegt werden sollen.

Aus beiden soll eine gemeinwohlorientierte Einheit werden, die dann keinerlei Gewinne mehr an den Konzern weitergeben darf, um Reinvestitionen in die Infrastruktur sicherzustellen.

Bahn verliert Einnahmen und benötigt höheren Bundeszuschuss

Der Wegfall der Einnahmen aus den Infrastruktursparten birgt erheblichen Sprengstoff für die Bahn. Bislang waren die Ergebnisse der beiden zu verschmelzenden Netzsparten die einzigen verbliebenen Cashcows der Bahn, wie das Manager Magazin weiter berichtet.

In 2020 machten die Sparten Fernverkehr, Nahverkehr und Güterbahn allesamt Verluste. Nur die Logistik-Tochter DB Schenker und hauptsächlich die Netzsparte brachten Geld in den Konzern.

Mit den wegfallenden Einnahmen wird zwingend der jährliche Bundeszuschuss steigen müssen. Bisher betrug der Zuschuss rund 20 Milliarden Euro für Arbeiten am Schienennetz, für Nahverkehrssubventionen und zur Tilgung von Altlasten der Bundesbahn.

Trotzdem steigen die Schulden der Bahn immer weiter. Fachleute schätzen, dass die DB AG in 2030 bis zu 45 Milliarden Euro Schulden haben könnte. Als Gegenmaßnahme soll der Bundeszuschuss unter Wissing auf rund 30 Milliarden Euro steigen.

Mehr Wettbewerb und Konzentration auf das Kerngeschäft

Der neue Verkehrsminister Wissing möchte ebenfalls die Konkurrenz auf der Schiene erhöhen. So kann beispielsweise der private Fernverkehrsanbieter Flixtrain, der Investitionen in Milliardenhöhe plant, seine Tickets noch immer nicht über die DB-Webseite verkaufen.

Zudem werden in der DB Fahrplanauskunft, die de facto Standard in Deutschland ist, die Angebote von Flixtrain und weiteren alternativen Anbietern schlechter oder gleich gar nicht dargestellt. Hier will Wissing der Bahn politisch Druck machen.

Mit der Bahn und ihren Wettbewerbern zusammen soll der Personenverkehr auf der Schiene bis 2030 verdoppelt werden. Ob dies gelingen kann, ist u. a. auch aufgrund des langsamen Fortschritts in der Digitalisierung der Bahnstrecken zweifelhaft (Cyforwards berichtete).

Gleichzeitig ist bei der DB eine Gesundschrumpfung und Konzentration auf das Kerngeschäft angesagt. So soll DB Schenker vermutlich bald aus dem Konzern ausgegliedert werden. Investoren bieten angeblich bis zu 20 Milliarden Euro für die Sparte.

In einem weiteren Schritt werden auch die Auslandstöchter massiv reduziert. Aktuell steuert der Schienenverkehr in Deutschland mit rund 40 Prozent nur noch eine Minderheit zum Konzernumsatz bei.

Viele der weltweiten Aktivitäten bringen keine Gewinne, sondern erhöhen die Verluste des Konzerns nur noch weiter und sollen daher strategisch ausgegliedert werden, so das Manager Magazin.

Wissing ist jetzt für den Aufbruch gefordert

Schon mehrere frühere Verkehrsminister vor Volker Wissing haben zu Beginn ihrer Amtszeiten umfassende Ankündigungen gemacht. Der große Wurf mit Blick auf die Bahn wollte jedoch bisher keinem gelingen.

Abzuwarten bleibt also, mit welcher Konsequenz und Kontinuität Minister und Regierung die vielen Baustellen des Konzerns bearbeiten. Und wieviel echter Transformationswille in den öffentlichkeitswirksamen Aussagen steckt.

Ein den freien Wettbewerb propagierender Minister ist mit Sicherheit eine gute Voraussetzung für mehr kundenorientierte Gestaltungs- und Umsetzungskraft – Dinge, die die DB dringend braucht.

Ob das dann für einen echten Aufbruch reicht, wird sich erst noch zeigen müssen.


Über Cyforwards:
Die Cyforwards GmbH bietet eine integrierte Beratung in den Themenschwerpunkten Executive Search und People & Organizational Development. Sie besetzt Führungs- und Fachpositionen überwiegend in der IT-Managementberatung. Der Fokus liegt auf den Branchen Public Sector & Government, Transportation & Mobility sowie Healthcare. Als Transformationsberater und -begleiter unterstützt Cyforwards Individuen und Organisationen, ihre Ziele zu erreichen und Potenziale zu entfalten. Benjamin Wittekind gründete das Unternehmen 2018 in München.  

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Foto: Bundesregierung / Jesco Denzel